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Bau der Versuchsanlage in Pilsbach/Oberösterreich startet

01.03.2018 | Presseinformation

Wien/Pilsbach, 1. März 2018

„Vor einem Jahr präsentierten wir gemeinsam mit Vertretern der Bundesregierung und dem Klima- und Energiefonds den Start von ,Underground Sun Conversion‘, dem weltweit einzigartigen Forschungsprojekt zur natürlichen ,Erzeugung‘ von Erdgas. Nun sind die umfangreichen Vorbereitungs- und Planungsarbeiten abgeschlossen und der Bau der Versuchsanlage in Pilsbach/Oberösterreich beginnt“, freut sich Markus Mitteregger, CEO der RAG.

Mit Anfang März 2018 beginnen die Errichtungsarbeiten der Versuchsanlage „Underground Sun Conversion“ in Pilsbach / Oberösterreich an jenem Platz, wo bereits das Vorgängerprojekt „Underground Sun Storage“ erfolgreich durchgeführt wurde. „Was uns bislang an der Universität für Bodenkultur in Laborversuchen gelungen ist, werden wir nun vor Ort – in situ – testen. Alle bisherigen Forschungsergebnisse stimmen uns zuversichtlich, dass wir bereits in Kürze aus der natürlichen Erdgaslagerstätte Pilsbach von uns aus Sonnenenergie erzeugtes Erdgas ‚ernten‘, also gewinnen, können“, so Mitteregger.

„Unser weltweit einzigartiges Forschungsprojekt ist quasi ‚Erdgeschichte im Zeitraffer’ und hat großes Potenzial. Es ist CO2-neutral, löst unser großes Problem der Speicherbarkeit von erneuerbaren Energien und wir können bereits vorhandene Infrastruktur nutzen. Zudem ist es sehr umweltfreundlich, weil es natürliche, mikrobiologische Prozesse komprimiert nachbildet, und wir das sich bildende erneuerbare Erdgas gleich am Ort der ‚Produktion‘ – in natürlichen Erdgaslagerstätten in über tausend Metern Tiefe – speichern können“, betont Mitteregger die Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit des Projekts.

Die Versuchsanlage wird eine installierte Leistung von rd. 10 MW (Gas) haben. Nicht viel im Vergleich zu einem kommerziellen Gasspeicher, aber immerhin vergleichbar mit der Spitzenleistung (kWpeak -Strom) einer PV-Anlage mit einer Fläche von rd. 65.000m².

Erdgeschichte im Zeitraffer

Durch „Underground Sun Conversion“ soll es erstmals möglich werden, direkt in einer Erdgaslagerstätte Erdgas durch einen von der RAG gezielt initiierten mikrobiologischen Prozess natürlich zu „erzeugen“ und gleich dort zu speichern. Mit dieser weltweit einzigartigen und innovativen Methode wird der natürliche Entstehungsprozess von Erdgas nachgebildet, aber gleichzeitig durch die Nutzung der vorhandenen Lagerstätten um Millionen von Jahren verkürzt – Erdgeschichte im Zeitraffer also.

Aus Sonnen- oder Windenergie und Wasser wird zunächst in einer oberirdischen Anlage Wasserstoff erzeugt. Gemeinsam mit CO2, das so einem nachhaltigen Kreislauf zugeführt wird, wird dieser Wasserstoff in eine vorhandene Sandsteinlagerstätte eingebracht. In über 1.000 Metern Tiefe wandeln nun natürlich vorhandene Mikroorganismen diese Stoffe in relativ kurzer Zeit in erneuerbares Erdgas um, welches anschließend direkt dort in dieser Lagerstätte gespeichert, bei Bedarf jederzeit entnommen und über die vorhandenen Leitungsnetze zum Verbraucher transportiert werden kann. 

Diese umweltfreundliche Vorgangsweise hat drei wesentliche Vorteile:

CO2-neutral / nachhaltiger Kohlenstoff-Kreislauf
Erneuerbares Erdgas ist bei seiner energetischen Nutzung CO2-neutral, weil zuvor CO2 in den „Produktions-Prozess“ eingebracht wird. So entsteht ein Kohlenstoff-Kreislauf.

Erneuerbare Energien werden speicherbar
Die Stromgewinnung aus Sonnenenergie und Wind unterliegt wetterbedingten und jahreszeitlichen Schwankungen. Eine bedarfsorientierte Produktion ist daher nicht möglich. Das Problem der Speicherbarkeit von erneuerbaren Energien wird durch die Umwandlung in erneuerbares Erdgas gelöst. 

Vorhandene Infrastruktur wird genutzt

Sowohl für den natürlichen Produktionsprozess als auch für die unterirdische Speicherung in natürlichen Erdgaslagerstätten und den umweltfreundlichen Transport zum Endverbraucher kann bereits vorhandene Infrastruktur genutzt werden. 

Forschungsprojekt gemeinsam mit Partnern

Ziel des durch die RAG initiierten und gemeinsam mit Partnern durchgeführten Forschungsprojektes ist es, die Grundlagen zu erforschen, um in Zukunft große Mengen von erneuerbarem Erdgas CO2-neutral produzieren und umweltfreundlich in natürlichen Lagerstätten speichern zu können und so die dringend benötige Flexibilität im Umgang mit erneuerbaren Energien zu schaffen.

„Underground Sun Conversion“ wird vom Klima- und Energiefonds der österreichischen Bundesregierung als Leitprojekt der Energieforschung mit 5 Mio. Euro gefördert. Das österreichische Konsortium steht unter der Leitung der RAG.

Projektpartner sind: Montanuniversität Leoben, Universität für Bodenkultur Wien (Department IFA Tulln), acib GmbH (Austrian Centre of Industrial Biotechnology), Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität Linz, Axiom Angewandte Prozesstechnik GmbH.

Das Forschungsprojekt soll bis Ende 2020 abgeschlossen werden. 

Detailinformationen zum Forschungsprojekt:

International wird intensiv nach Lösungen geforscht, um CO2-Emissionen nachhaltig zu reduzieren. Durch den zunehmenden Umstieg auf volatile, erneuerbare Energiegewinnung gibt es mehr denn je Bedarf an speicherbaren Energieträgern. Vor allem Energieträger mit hoher Energiedichte, wie Methan/Erdgas, werden für industrielle Anwendungen, Wärmeerzeugung und zur Nutzung im Schwerverkehr benötigt.

Im nun gestarteten Forschungsprojekt „Underground Sun Conversion“ soll ein Verfahren erforscht werden, das sowohl eine Lösung für die Erzeugung von Energieträgern mit hoher Energiedichte bietet, als auch die Speicherfrage löst. Darüber hinaus wird das Ziel verfolgt, die in vielen Teilen der Welt bestehende und bewährte Gasinfrastruktur uneingeschränkt weiter zu nutzen. Ausgangspunkt dafür ist die „Power to Gas“ Technologie, bei der Überschüsse aus der Produktion erneuerbarer Energie (Wind oder Sonne) mittels Elektrolyse in Wasserstoff und/oder Methan umgewandelt werden. 

Das Ziel des Forschungsprojekts ist es, vorhandene Sandsteinlagerstätten als natürliche „Reaktoren“ zu nutzen. So finden sowohl der Methanisierungsprozess als auch die Speicherung auf natürlichem Weg in unterirdischen Porenlagerstätten statt. Darin liegt das große Potenzial, welches gleichzeitig die bislang fehlende aber dringend benötige Flexibilität im Umgang mit erneuerbaren Energien schafft.

Dieses Verfahren kopiert und wiederholt den natürlichen Prozess der Entstehung von Erdgas. So findet der Methanisierungsprozess auf natürlichem Weg in vorhandenen untertägigen Lagerstätten statt - abgekürzt um Millionen von Jahren. 

Erste Laborversuche aus dem Vorläuferprojekt „Underground Sun Storage“, das ebenfalls vom Klima- und Energiefonds gefördert wurde, zeigen, dass in die Lagerstätte eingebrachter Wasserstoff mit CO2 mikrobiologisch in Methan umgewandelt wird. Damit kann es gelingen einen nachhaltigen Kohlenstoff-Kreislauf zu etablieren. Gemeinsam mit einem Konsortium werden Laborversuche, Simulationen und ein wissenschaftlicher Feldversuch an einer existierenden Lagerstätte der RAG durchgeführt. Ziel ist es auch, die Übertragbarkeit der gewonnenen Ergebnisse auf viele andere Lagerstätten weltweit zu prüfen. Die angestrebten Ergebnisse sind daher von herausragender Bedeutung, die führende Position Österreichs im Bereich der saisonalen Speicherung erneuerbarer Energie in Erdgaslagerstätten weiter auszubauen und das im Projekt entwickelte Verfahren – sowohl Technologie als auch Know-how in breitem Stil zu exportieren. 

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter 
www.underground-sun-conversion.at

 

Rückfragehinweis:

Elisabeth Kolm
elisabeth.kolm@rag-austria.at
Tel.: +43 (0) 50724 5448

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Hintergrundinformationen zur RAG:

Das Unternehmen RAG ist ein innovatives und zugleich traditionsreiches Energieunternehmen, das sich auf ihr Kerngeschäft der Gasspeicherung fokussiert und unter Nutzung ihrer umfassenden Untertagekompetenz innovative, zukunftsfitte und nachhaltige Energielösungen entwickelt. Insbesondere die Entwicklung neuer Energietechnologien, durch Forschung und Herstellung von erneuerbarem Gas.

Mit dem Betrieb einer Speicherkapazität von nunmehr rd. 6 Milliarden Kubikmetern leistet die RAG einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit Österreichs und Mitteleuropas und gehört damit zu den größten Gasspeicherbetreibern Europas. Die RAG entwickelte und betreibt eigene Speicheranlagen in Puchkirchen und Aigelsbrunn, sowie in Joint Ventures mit Gazprom und Wingas den Erdgasspeicher Haidach (Salzburg/Oberösterreich) und mit Uniper den Speicher 7Fields (Salzburg/Oberösterreich). RAG sieht sich als Partner Erneuerbarer Energien und entwickelt auch Projekte im Bereich Geothermie.

Der Fokus des Unternehmens ist klar auf den zukunftsträchtigen und vielseitigen Energieträger „Gas“ gerichtet. Dabei ist das klassische, natürliche Erdgas, das auch in Zukunft einen unerlässlichen Beitrag zur Energieversorgung leisten wird, nur ein Aspekt. Der andere heißt „Green Gas“, also Biogas (Biomethan aus Reststoffen) und synthetisches Gas durch Nutzung der Power-to-Gas-Technologie. Auch in der Anwendung ist Gas breit aufgestellt und Garant für eine sichere, effiziente und nachhaltige Versorgung: Gas zur Stromproduktion, Gas zur Wärmeerzeugung und Gas-Mobility in Form von CNG und LNG („Compressed Natural Gas/Liquefied Natural Gas).

RAG ist Konsortialführer und größter Investor innerhalb des Leuchtturmprojektes „Underground Sun Conversion". Neben den langjährigen Erfahrungen in Entwicklung, Errichtung und Inbetriebnahme von Speicheranlagen, bringt RAG insbesondere das erworbene Know-how und die Erkenntnisse aus dem Projekt „Underground Sun Storage“ mit.

Kontakt

Mag. Elisabeth Kolm
Pressesprecherin
T +43 (0)50 724-5448
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