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Die derzeit modernste, aufschlussreichste und wichtigste Methode bei der Suche nach Erdöl und Erdgas ist die 3D-Seismik.

Der Einsatz der hochentwickelten seismischen Spezialmessungen ermöglicht es, den Aufbau des Untergrundes und seiner geologischen Strukturen bis in Tiefen von 5.000 bis 6.000 Metern dreidimensional zu erkunden. Das Prinzip der Seismik besteht darin, Schallwellen zu erzeugen und deren Echo von den verschiedenen Gesteinsschichten des Untergrundes aufzufangen. 

„Erdöl und Erdgas sind Kohlenwasserstoffe, die sich durch biologische, chemische und physikalische Prozesse im Laufe der Erdgeschichte aus organischen Substanzen entwickelt haben. Nach ihrer Entstehung wandern Erdöl und Erdgas aus den sogenannten Muttergesteinen und sammeln sich bei günstigen Bedingungen in Gesteinsporen unterirdischer Lagerstätten an.“
Kurt Sonnleitner,  Vorstandsdirektor der RAG

Aufgrund unterschiedlicher Materialdichte und Schallreflexion von Gesteinsschichten lassen sich so mögliche Erdgas- und Erdöllagerstätten lokalisieren. Die von Spezialfahrzeugen, sogenannten Vibratoren, ausgesandten Signale (Schallwellen) werden von den verschiedenen geologischen Schichten des Gesteins im Untergrund reflektiert und dann von den an der Erdoberfläche ausgelegten ca. 15 Zentimeter großen „Empfängern“ (Geophonen) registriert. Eine Messkampagne dauert im Normalfall vier bis acht Monate. Hochleistungsrechner in der RAG Zentrale in Wien ermitteln aus den gewonnenen Daten ein Bild – ähnlich wie beim Ultraschall. Die Verarbeitung der Rohdaten, die mitunter Millionen von Einzelspuren ausmachen, dauert einige Monate. Diese Ergebnisse werden dann von den Geologen und Geophysikern der RAG strukturell und stratigrafisch-geologisch interpretiert, und so können die Experten Rückschlüsse auf mögliche Öl- oder Gasvorkommen ziehen. Den endgültigen Nachweis über Erdöl und Erdgas im Untergrund bringt aber erst eine Bohrung.


Datenmessung

Bei der Suche nach Kohlenwasserstoffen bedient sich die RAG der Reflexions-Seismik. Bei diesem geophysikalischen Messverfahren werden Druckwellen in den Boden entsandt, die an Schichtgrenzen im Untergrund reflektiert und an der Oberfläche von Empfängern, so genannten Geophonen, registriert werden. Der für die RAG interessante Tiefenbereich liegt zwischen 500 m und 4.000 m.

Als Energiequelle dienen Vibratorfahrzeuge, die mit einer großen "Rüttelplatte" Schwingungen im Boden erzeugen. Bei der heute üblichen Messung von 3D-Seismik werden die Geophone auf einem Rechteck von etwa 4 km² ausgelegt. Während der Messung wird dieses Rechteck über das Messgebiet (bis zu 500 km²) bewegt und ermöglicht so eine dreidimensionale Erfassung des Untergrundes. Eine Messkampagne dauert im Normalfall 4-8 Monate.

Im Vorfeld einer solchen Messung ist es notwendig, eine Genehmigung bei den zuständigen Behörden einzuholen. Die Messungen werden im Auftrag der RAG von international tätigen Fachfirmen durchgeführt. Diese setzen sich mit Gemeinden und Grundeigentümern in Verbindung, um die nötigen Informationen zu Installationen und Umwelt zu erhalten. Bei jedem betroffenen Grundeigentümer muss die Zugangserlaubnis zum Grundstück eingeholt werden. Kommt es aufgrund der Messtätigkeit zu Flurschäden, werden diese nach bestehenden Richtlinien beglichen.


Datenverarbeitung

Die gemessenen Rohdaten, die mitunter Millionen von Einzelspuren ausmachen, müssen erst sinnvoll aufbereitet werden, bevor eine geologische Interpretation zulässig ist. Dieser Prozess dauert in der Regel einige Monate.

Durch die Art der Aufnahme wird garantiert, dass jeder Untergrundspunkt mehrfach gemessen wird. Diese Informationen müssen genauest evaluiert und Störenergien (durch Wind, Strom, Verkehr) unterdrückt werden. Bevor die Messdaten untereinander verglichen werden können, müssen sie eine Vielzahl von Korrekturenverfahren durchlaufen (z.B.: statische und dynamische Korrekturen). Erst dann kann ein möglichst störungsfreies Bild für einen Untergrundspunkt erstellt werden. Das Endprodukt der Datenverarbeitung ist das so genannte 3D Migrations-Volumen. Dieses Volumen muss man sich wie einen Kubus von Querschnitten durch den Untergrund vorstellen.


Dateninterpretation

Das 3D Migrations-Volumen ist die Ausgangsbasis für die nachfolgende geologische Interpretation. Die Auswertung des dreidimensionalen Datenvolumens erfolgt in leistungsstarken Rechenzentren.

Aufgrund vorhandener Bohrungsinformationen können einzelne Reflexionen als bestimmte geologische Horizonte identifiziert werden. Der Interpret versucht, Horizonte flächenmäßig zu verfolgen und erfasst dabei auch mögliche kohlenwasserstoffhöffige Fallen struktureller (Brüche, Aufwölbungen) oder stratigraphischer Art (auskeilende Schichten). Auf eine Übersichtskartierung folgen die Detailkartierungen interessanter Bereiche. Um festzustellen, ob es sich bei den kartierten Horizonten um öl- oder gashöffige Sedimente handelt, sind oft noch weitere Datenbearbeitungschritte erforderlich.

Jedes Bohrprojekt wird von einem Expertenteam nach verschiedenen Gesichtspunkten evaluiert und auf seine Wirtschaftlichkeit hin überprüft. Erst dann kann die Planungsphase für die eigentliche Bohrung beginnen. Der ganze Prozess dauert etwa ein Jahr.


Seismik-Projekte

Bisher wurde in Österreich, Bayern und Ungarn von der RAG insgesamt eine Fläche von rund 4.000 Quadratkilometern mittels 3D-Seismik vermessen. Ein erstes Pilotprojekt wurde 1984 in Voitsdorf durchgeführt, und seit 1992 setzt die RAG das mit Abstand wichtigste Verfahren zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen zur Vermessung ihrer Aufsuchungsgebiete ein. Das erste große Untersuchungsgebiet war in Oberösterreich der Raum Munderfing, danach folgte das Gebiet zwischen Salzach und Straßwalchen. Mittlerweile ist ein großer Teil der Aufsuchungsgebiete der RAG in Oberösterreich und Salzburg mithilfe der modernen 3D-Seismik abgedeckt. Ein Meilenstein war der Fund der großen Gaslagerstätte Haidach 1997 im Grenzbereich von Oberösterreich zu Salzburg, die nach der Förderung von Erdgas nun seit einigen Jahren als zweitgrößter Erdgasspeicher Mitteleuropas genutzt wird und die Versorgungssicherheit entscheidend stärkt. Auch in der Ölexploration konnten mit den Feldern Hiersdorf, Bad Hall und Sierning von 2006 bis 2009 Erfolge erzielt werden. Jüngste Untersuchungsgebiete waren 2009/10 ein 220 Quadratkilometer großes Gebiet im Attergau und 2012 eine Fläche von  380 Quadratkilometern in den Bezirken Steyr, Steyr Land, Kirchdorf an der Krems und Amstetten. 2016 wird eine seismische Untersuchung in Bayern durchgeführt.