PRESSEGESPRÄCH - „Energiepolitische Positionen der OÖ. Industrie“
03.12.2010 | Pressemeldung
PRESSEGESPRÄCH – „Energiepolitische Positionen der OÖ. Industrie“
mit Dipl.-Ing. Klaus Pöttinger (Präsident der Industriellenvereinigung OÖ), Dr. Leo Windtner (Generaldirektor der Energie AG Oberösterreich), Dipl.-Ing. Markus Mitteregger, MBA (Generaldirektor der RAG Rohöl-Aufsuchungs AG), KommR Viktor Sigl (Wirtschaftslandesrat)
Jetzt die Rolle Oberösterreichs im Rahmen einer europäischen Energiestrategie richtig definieren!
Linz, Haus der Industrie (3. Dezember 2010). Energie wird zum Mega-Thema des kommenden Jahrzehnts – Ideologiefreie, sachliche Herangehensweise ist für sinnvolle energiepolitische Maßnahmen unerlässlich – Energiemix aus europäischer und nicht aus regionaler Perspektive definierend – Wasserkraft, Gasspeicherung und die hohe Kompetenz bei Energie- und Umwelttechnologien sind die Stärken Oberösterreichs, die forciert werden müssen.
In ihrer Vielschichtigkeit ist die Energiepolitik insbesondere für die Industrie ein bestimmendes Thema des kommenden Jahrzehnts. Fragen zu Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Technologie und Innovation sowie Umwelt und Klima werden die kommenden Jahre bestimmen. „Dieser Facettenreichtum gepaart mit politischen Ideologien und Klientelpolitik hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass auch in Österreich Maßnahmen ergriffen wurden, die sich mittlerweile als ineffizient und sogar kontraproduktiv für die Zielerreichung herausgestellt haben“, erklärt Dipl.-Ing. Klaus Pöttinger, Präsident der Industriellenvereinigung OÖ (IV OÖ).
Eine sinnvolle Energiepolitik für Oberösterreich kann nur im europäischen Kontext erfolgen. Der Energiemix ist für die Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und den Klimaschutz von entscheidender Bedeutung – allerdings ist dieser Energiemix aus europäischer Perspektive und nicht aus regionaler Perspektive zu definieren, wie auch der ehemalige deutsche Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischer kürzlich in seinem Vortrag in Linz betonte. Die jeweiligen Stärken der Regionen gilt es individuell zu nutzen und zu fördern. „Eine ‘überall alles-Strategie‘ ist der völlig falsche Weg“, betont Pöttinger.
Derzeit sieht sich Österreich hinsichtlich des Gesamtenergiebedarfs mit einer überdurchschnittlich hohen Importabhängigkeit von 70 Prozent und einer negativen CO2-Bilanz konfrontiert. Gleichzeitig wurden die Errichtung neuer Wasserkraftwerke für die Stromgewinnung in den letzten zwei Jahrzehnten massiv erschwert und mit ineffizienten Methoden wie dem Ökostromgesetz in Österreich die Entwicklung neuer Energietechnologien unzureichend gefördert. „Diese Faktoren machen für den IV OÖ-Präsidenten eines deutlich: „Die Energiepolitik braucht ein umfassendes, strategisches Konzept, das sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt, die Entwicklung neuer Energie- und Umwelttechnologien intensiv fördert und mit den eingesetzten Mitteln auch der Umwelt und dem Klima maximal nützt.“
Energie AG - GD Dr. Leo Windtner:
Die Energie AG Oberösterreich bekennt sich seit jeher zu einer nachhaltigen, sauberen Energieerzeugung. Seit mehr als 100 Jahren erzeugt das Unternehmen Energie aus Wasserkraft, fossilen Energieträgern und den neuen, regenerativen Energiequellen. „Die Stromversorgung der Zukunft wird erneuerbar sein“, sagt Energie AG-Generaldirektor Leo Windtner. Er mahnt aber auch zu Realismus im Festlegen von Zielen und in der Umsetzung von Energiestrategien. „Wir bekennen uns zu diesen Zielen“, sagt Windtner, weist aber auch auf Gefahren hin, die sich in den vielen Strategiepapieren verstecken: „Nur weil es gerade in das Stimmungsbild passt, darf man keine Technologien fördern, die nicht wirtschaftlich umsetzbar sind“, sagt Windtner. Verpflichtende Mindestquoten zum Beispiel für Energieerzeugung aus Windkraft oder das Koppeln von Wohnbauförderungen an die Errichtung von Solaranlagen lehnt Windtner ab: „Wir dürfen nicht den Fehler machen, die Wasserkraft oder Energie aus thermischen Kraftwerken künstlich zu verteuern, nur damit andere Energietechniken, die derzeit einfach nicht marktfähig sind, in den Markt gedrückt werden. Dadurch wird elektrische Energie künstlich verteuert, was weder den Menschen noch der Wirtschaft etwas bringt.“
Energie ist Basis für Lebensqualität und Motor der Wirtschaft
Eine sichere Versorgung mit elektrischer Energie ist die Grundlage für Lebensqualität und eine starke Wirtschaft. Die Eigenerzeugung weiter zu stärken und nachhaltig abzusichern ist eines der vorrangigen Ziele der Energie AG. Seit jeher bekennt sich das Unternehmen zum flexiblen Energiemix, in dem die Erzeugung aus Wasserkraft, Wärmekraft und den erneuerbaren Energien (Sonnenenergie, Windkraft, Biomasse) zusammengefasst werden können und sich optimal ergänzen. Hauptaugenmerk der Energie AG sind weitere Investitionen, bei denen die Nachhaltigkeit und die Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen eine zentrale Rolle spielen.
„Wir brauchen die Flexibilität der Erzeugung, um auch in Zukunft die Versorgung mit Strom nachhaltig und über Generationen hinweg absichern zu können“, sagt Windtner. Man müsse schon jetzt alles daran setzen, die vorhandenen Potenziale bestmöglich zu nutzen, ist Windtner überzeugt. Mit dem Bau des damals größten Biomassekraftwerks Österreichs in Timelkam habe die Energie AG bereits vor Jahren einen solchen Schritt gesetzt. Mit Österreichs größtem Sonnenkraftwerk, das Mitte September offiziell in Eberstalzell (Bezirk Wels-Land) eröffnet wurde, habe man ein Zeichen bei der Nutzung der erneuerbaren Energieträger gesetzt und die Schrittmacherrolle der Energie AG erneut unter Beweis gestellt.
Alternativenergien brauchen Möglichkeiten zur Energiespeicherung
Der stetige Ausbau von alternativen Energieformen wie Windkraft und Sonnenenergie bringt aber auch eine Reihe von Problemen mit sich: Vor allem die witterungsbedingt teils stark schwankende Erzeugungsleistung dieser Stromerzeugungsanlagen setzt Speichermöglichkeiten für die hier erzeugte Energie voraus. Die einzig praktikable, seit Jahrzehnten erprobte und noch immer effizienteste Technologie ist derzeit die Nutzung von Pumpspeicherkraftwerken. Der Vorteil: mit jener Energie, die zum Zeitpunkt der Erzeugung von keinem Verbraucher abgenommen werden kann, wird Wasser in einen höhergelegenen Speicher gepumpt und kann zur Abdeckung von Spitzenlasten aus dem Speicher entnommen und für die Stromerzeugung verwendet werden. „Speicherkraftwerke sind für das Funktionieren des neuen Energieverbundes unverzichtbar“, sagt Windtner. Nur mit zusätzlichen Speichermöglichkeiten können die Vorteile des flexiblen Energiemixes voll ausgenutzt werden.
Die Energie AG hat sich sich an der Erweiterung der Kraftwerksgruppe Malta in Kärnten beteiligt. Mit der Verbund AG und der KELAG errichtet die Energie AG im Maltatal das Pumpspeicherkraftwerk Reißeck 2. „Wir sind aber auch in Oberösterreich dabei, derartige Projekte umzusetzen. Erster Schritt ist die Planung eines Pumpspeicherkraftwerkes in Ebensee.“, sagt Windtner.
Klares Bekenntnis zur Wasserkraft
Auch der weitere Ausbau von Wasserkraft – dem effizientesten und umweltfreundlichsten aller Energieträger – ist wesentlicher Bestandteil der österreichischen Energiezukunft. Die Energie AG setzt deshalb ihr jahrzehntelanges Engagement im Bereich der Wasserkraft fort und hat aktuell vier Projekte in Vorbereitung. Eines davon ist das Kraftwerk Oflek, zwischen Großarl und Hüttschlag im Pongau, das sich bereits in Bau befindet und im Sommer 2011 in Betreib gehen soll. Weitere Laufkraftwerksprojekte unter anderem in Bad Goisern, Stadl-Paura und das Schwesterkraftwerk zu Oflek im Kleinarl-Tal befinden sich derzeit in Vorbereitung bzw. kurz vor der Umsetzung.
Die Energie AG ist seit jeher Vorzeigeunternehmen, wenn es um die Nutzung der Wasserkraft und alternativer, regenerativer Energien geht. So kommt mehr als die Hälfte der Stromerzeugung aus Wasserkraftwerken. „Wir stehen zum Wasserkraft-Ausbau mit Augenmaß im Einklang mit Umwelt und Natur“, betont Windtner die glückliche Lage Österreichs, mit dem „Champion“ aller erneuerbaren Energieformen reich gesegnet zu sein.
Für Windtner steht vor allem die Nachhaltigkeit der Investitionen im Mittelpunkt: „Unsere Wasserkraftwerke produzieren teilweise schon seit mehr als 100 Jahren sauberen Strom aus Wasserkraft – und das ohne die Umwelt auch nur im geringsten zu beeinträchtigen. Wasserkraft ist Energie für ganze Generationen!“ Vor allem der Weitsicht und dem Verantwortungsbewusstsein der Vorgängergenerationen ist es zu verdanken, dass Österreich und im speziellen auch Oberösterreich auf die starke Säule der Wasserkraft setzen kann. „Die Wasserkraft ist ein Privileg, das wir unbedingt nutzen müssen, wollen wir unsere Energiezukunft selbst bestimmen“, ist Windtner überzeugt. Für die Wasserkraft spricht vor allem, dass hier die Unternehmen ohne Steuergelder langfristige Werte schaffen, die Jahrzehnte und Jahrhunderte überdauern und auch noch nachfolgenden Generationen zur Verfügung stehen.
Keine Energiezukunft ohne fossile Energieträger
Trotz des klaren Bekenntnisses zur Wasserkraft und den alternativen Energieträgern fordert Windtner aber Realismus bei der Planung der Energiezukunft: „Wir alle wissen, dass den erneuerbaren Energien die Zukunft gehört. Wir müssen derzeit aber auch zur Kenntnis nehmen, dass es eine sichere Versorgung mit Strom in den nächsten Jahrzehnten ohne die Energiegewinnung aus fossilen Energieträgern nicht geben wird.“ Vor allem Erdgas kommt als umweltfreundlichsten der fossilen Energieträger eine wichtige Brückenfunktion am Weg in die Energiezukunft zu.
Für Windtner steht außer Zweifel, dass neben der Nutzung des Energieträgers Erdgas in Timelkam auch der Kraftwerksstandort Riedersbach für die sichere Stromversorgung in Oberösterreich unersetzlich ist. In den beiden Kraftwerken Riedersbach I (Baujahr 1969) und Riedersbach II (Baujahr 1986) wird derzeit aus Kohle Energie gewonnen. Dank Investitionen in neue, modernste Leittechnik und effiziente Rauchgasreinigungsanlagen ist das Kohlekraftwerk Riedersbach II ein Vorzeigeprojekt für die thermische Energiegewinnung aus Kohle.
Wie auch am Standort Timelkam ist geplant, das aus dem Jahr 1969 stammende Kohlekraftwerk durch ein modernes, leistungsfähiges und vor allem umweltfreundliches Gas-und-Dampf-Kraftwerk zu ersetzen. Entsprechende Planungen sind bereits im Gange, die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Projekt läuft bereits. Der Kraftwerksstandort im Bezirk Braunau ist mit einer Gesamterzeugungsleistung von mehr als 220 MW ein wesentliches Standbein für die Versorgungssicherheit in Oberösterreich.
RAG - GD Dipl.-Ing. Markus Mitteregger, MBA:
Gas ist eine Zukunftsenergie und Partner erneuerbarer Energien
Die RAG leistet seit Jahrzehnten einen ganz wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit Oberösterreichs mit Erdöl und Erdgas und ist ein wichtiger regionaler Arbeitgeber mit hoher volkswirtschaftlicher Bedeutung. „Wir sehen es als unseren Auftrag, mit den wertvollen natürlichen Ressourcen Erdöl und Erdgas sorgsam und verantwortungsvoll umzugehen und den bestmöglichen Nutzen zu schaffen. Wir blicken heuer auf 75 Jahre Unternehmenserfolg zurück, das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern Resultat unserer hohen Standards, der technologischen Innovationsfähigkeit, des außerordentlichen Engagements unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, einer soliden Eigentümerstruktur und nicht zuletzt der guten Nachbarschaft in Oberösterreich“, betont Dipl.-Ing. Markus Mitteregger, Generaldirektor der RAG Rohöl-Aufsuchungs AG, die starke Verankerung der RAG in Oberösterreich.
Über eine Milliarde Euro wurde in den vergangenen zehn Jahren nachhaltig in die Betriebe der RAG, in die Wiederbelebung der Erdölproduktion und in den Bau neuer Speicheranlagen investiert. Der Mitarbeiterstand hat sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. Allein 2010 betrug das Investitionsvolumen ca. 200 Millionen Euro. Damit wurde nicht nur ein starker Beschäftigungsimpuls für den Zuliefersektor gesetzt, sondern auch krisensichere Dauerarbeitsplätze geschaffen. Derzeit beschäftigt die RAG rund 400 Mitarbeiter direkt und weitere rund 500 indirekt, der überwiegende Teil in Oberösterreich und Salzburg. Dazu kommen weitere 1.000 Personen, die auf den RAG Baustellen beschäftigt waren und sind.
Heimisches Gas und Öl sind wichtig für Oberösterreichs Industrie
Erdgas ist der Energieträger Nummer eins für Oberösterreichs Industrie. Insgesamt entfällt ein Fünftel des österreichischen Erdgasverbrauchs auf Oberösterreich, mehr als die Hälfte benötigen die leistungsstarken oberösterreichischen Industriebetriebe. Oberösterreich ist nicht nur Exportstaatsmeister, sondern auch das Industriebundesland Nummer eins. „Diese Zahlen zeigen deutlich, dass eine verlässliche, umweltfreundliche und günstige Energieversorgung nicht nur für die Produktion der oberösterreichischen Industrie unerlässlich, sondern auch von entscheidender volkswirtschaftlicher Bedeutung für Österreich insgesamt ist“, unterstreicht RAG Generaldirektor Markus Mitteregger die Relevanz des Energieträgers Erdgas für Oberösterreich.
„Gerade energieintensive Branchen, wie die Stahl-, Papier- oder Aluminiumerzeugung brauchen Energie punktgenau, rund um die Uhr und möglichst klimaschonend. Das spart Kosten und sichert den Produktionsprozess“, so Mitteregger, der betont, dass „es keine völlig klimaneutrale Energiegewinnung gibt. Es gilt, jene Energieform anzustreben, die das Klima am wenigsten belastet. Da ist Erdgas genau richtig“.
Die RAG fördert seit nunmehr 55 Jahren in Oberösterreich heimisches Rohöl. Mit neuen Technologien konnte die Förderung dieses für die Industrie wertvollen Rohstoffes in den letzten Jahren wieder gesteigert werden. Durch den Einsatz von 3D Seismik gelingt es auch neue Felder zu finden und zu erschließen, die heimische Rohölproduktion kann so auch noch für weitere Jahrzehnte gesichert werden.
Erdgasspeicher sind Rückgrat der Versorgungssicherheit
Gerade die ehemaligen Erdgaslagerstätten in Oberösterreich machen Österreich in puncto Versorgungssicherheit zur Nummer eins, denn vor allem Oberösterreich verfügt über jene geologischen Strukturen, die sich hervorragend für die Erdgasspeicherung eignen.
Um den hohen Grad an Versorgungssicherheit auch in Zukunft zu halten und weiter zu steigern, investiert die RAG in den Ausbau bestehender Erdgasspeicher und in zusätzliche Projekte in Oberösterreich und Salzburg, zudem wird mit zwei eigenen Bohranlagen die heimische Erdöl- und Erdgasproduktion forciert. Bis 2011 wird in den von RAG betriebenen Speichern eine Erdgasspeicherkapazität von rund 5 Milliarden Kubikmeter zur Verfügung stehen, das entspricht mehr als der Hälfte des jährlichen Erdgas-Jahresverbrauchs in Österreich. Die RAG ist damit unter den fünf größten Erdgasspeicherbetreibern Europas, die Erdgasspeicherung ist eines der wichtigsten Geschäftsfelder der RAG.
Energiespeicherland Oberösterreich
„Oberösterreich hat in den nächsten Jahren die Chance, sich zu DEM Energiespeicherland Europas zu entwickeln“, erklärt Mitteregger. Dies ist vor allem im Hinblick auf die Erfüllung der österreichischen Energiestrategie 2020 wesentlich. Denn je mehr der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergiemix steigt, desto mehr Erdgas muss im Hintergrund vorrätig sein, um immer dann sofort eingesetzt werden zu können, wenn Windräder und Solaranlagen aufgrund der Witterung keinen Strom produzieren können. „Unersetzlich sind Erdgas und Erdgasspeicher für die Industrie und die Stromerzeugung in Kraftwerken, und sie sind unersetzlich als starker Partner für erneuerbare Energieträger. Der Ausbau der Erdgasspeicherung zur Sicherung der Versorgung vor allem mit Strom ist daher wichtiger denn je“, so Mitteregger weiter. Optimal ist ein sinnvolles Zusammenspiel, das die Gesamtenergiebilanz deutlich verbessert.
Dazu kommt noch die Aussicht, dass natürliches Erdgas über Jahrhunderte verfügbar sein wird und es dazu noch Bestrebungen gibt, Gas synthetisch herzustellen.
Erdgasbedarf steigt – europäische Verantwortung
„Die letzten zwei Jahre der Wirtschaftskrise waren eine Ausnahmesituation, da dürfen wir uns von kurzfristigen Nachfrageeinbrüchen nicht täuschen lassen. Alle Experten sind sich einig, dass der weltweite Erdgasbedarf weiter steigen wird – in geringerem Ausmaß in Europa, stärker vor allem in Asien“, erklärt Mitteregger, warum vorrausschauende Energieplanung für Österreich und die Europäische Union wichtig ist. Besonders relevant ist daher die Ermöglichung des ungehinderten „Verkehrs“ der international gehandelten Energieformen Gas und Strom von und nach Österreich. „Österreich hat dank der sehr hohen und volkswirtschaftlich bedeutenden Energiespeichermöglichkeiten - Pumpspeicher und Erdgasspeicher - enormes Potenzial sich als Energiedrehscheibe in der Mitte Europas zu positionieren, diese Chance sollten wir nutzen. Wichtig dafür ist die vollständige Integration der innerösterreichischen Erdgasnetze zu einem Marktgebiet“, erläutert Mitteregger, der auch die vollständige Liberalisierung der europäischen Energiemärkte und die zunehmend zentral aus Brüssel koordinierten und auch langfristig planenden neuen Energieinfrastrukturinstitutionen für maßgeblich hält.
Wirtschaftslandesrat KR Viktor Sigl:
Oberösterreichs Wirtschaft als Wachstumsmotor für Green Jobs
Offensive im Bereich Ökoenergie, Umwelttechnik und Energieeffizienz wird fortgesetzt
Oberösterreich setzt seinen Offensiv-Kurs im Bereich Umwelttechnik, Ökoenergie und Energieeffizienz weiter fort. "Unsere innovativen Unternehmen sind ein Wachstumsmotor für green jobs. Die Wirtschaft ist es, die diese green jobs schafft", macht Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl klar. Dazu müssen auch in Zukunft die Rahmenbedingungen passen – und dabei verweist Sigl auf ein immens starkes Dreieck, das dafür in den letzten zehn Jahren eingerichtet wurde: Der Ökoenergie-Cluster, der Umwelttechnik-Cluster und das Netzwerk Energieeffizienz sind für die oberösterreichischen Unternehmen wertvolle Partner und Netzwerke. Dazu kommen Schwerpunktprogramme wie das Energie-Contracting-Programm oder das Energie-Technologie-Programm des Landes Oberösterreich.
Oberösterreichs Unternehmen haben sich nicht nur als Innovatoren und Technologieführer in diesen Branchen europa- und weltweit etabliert, sondern auch Wertschöpfung und vor allem Arbeitsplätze in unserem Bundesland geschaffen. Im nationalen Vergleich ist Oberösterreich bei green jobs aufgrund starker Unternehmen und Einrichtungen die rot-weiß-rote Nummer 1. Das hat eine groß angelegte Studie der Statistik Austria im Oktober eindrucksvoll gezeigt. "Oberösterreich zeigt sich in der gesamten Umweltwirtschaft mit rund 6,8 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 35.800 green jobs überlegen in Führung. Und das wollen wir weiter fortsetzen und ausbauen", kündigt Wirtschaftslandesrat Sigl an. Daher sei es vollkommen klar, dass Oberösterreich sich im neuen, von Bundesminister Niki Berlakovich präsentierten Masterplan green jobs ganz aktiv einbringen werde, so Sigl. Eine bereits im Frühsommer von der Landesregierung beauftragte Arbeitsgruppe für die Entwicklung eines starken green job-Programms nimmt daher eine besonders wichtige Aufgabe für die Schaffung von optimalen Rahmenbedingungen wahr. Bis Anfang 2011 sollen Ergebnisse und Vorschläge vorliegen.
Ein ganz wesentlicher Schwerpunkt komme, so Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl, der Aus- und Weiterbildung, der Aufqualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Unternehmen zugute. Eigene Aus- und Weiterbildungsprogramme im Bereich der Umwelttechnik und erneuerbaren Energien sollen zum Fachbereich auch green job-Kompetenzen beisteuern.
Es gehe, so Sigl, aber auch darum, die hohe Innovationskraft der Unternehmen im Bereich Umwelttechnologie, Ökoenergie und Energieeffizienz weiter voranzutreiben und zu fördern. "Diese Innovationsförderungen sind ein wesentlicher Impulsgeber für zukunftssichernde Entwicklungen, Produkte und Dienstleistungen." Mit gezielten Förderungen wie dem "easy2innovate"-Förderprogramm, dem Energie-Technologie-Programm (ETP), der Start-Up-Förderung von FFG und Land OÖ, dem Ökobonus im Bereich der Oö. Forschungsförderung und den Förderungen für Kooperationsprojekte im Rahmen der Clusterinitiativen werden wirkungsvoll Landesmittel zur Unterstützung von Innovationsvorhaben vergeben.
Darüber hinaus gelte es, unterstreicht Wirtschaftslandesrat Sigl, weiterhin die Vernetzung und Kooperation der Unternehmen voranzutreiben: im Umwelttechnik-Cluster, im Ökoenergie-Cluster und im Netzwerk Energieeffizienz, das auch weiter fortgesetzt wird.
"Wir werden überdies das Energie-Contracting-Programm des Landes insofern weiterentwickeln, dass es auch für KMU noch attraktiver wird", kündigt Sigl an.
Dass Oberösterreich eine absolute Vorreiterrolle bei Ökoenergie und Umwelttechnologie hat, zeigt auch die Tatsache, dass oberösterreichische Firmen für rund 23 Prozent des gesamten österreichischen Branchenumsatzes verantwortlich sind.
Oberösterreich will sich aber auch im Zukunftsmarkt e-Mobilität stark engagieren. So wird ein rot-weiß-rotes Leuchtturmprojekt zum Thema e-Mobilität in Oberösterreich vom Automobilcluster umgesetzt. Mit CMO (Clean Motion Offensive) haben die Oberösterreicher den Klima- und Energiefonds überzeugt – und ein 4,4 Millionen Euro starkes Förderangebot erhalten. 13 Projektpartner – davon der überwiegende Teil aus Oberösterreich – arbeiten in der CMO zusammen. Das Gesamtvolumen des Projektes liegt bei 9 Millionen Euro. Ziel ist es, Elektromobilität kostengünstig zu machen.
IV OÖ - Präsident Dipl.-Ing. Klaus Pöttinger:
5 energiepolitische Handlungsfelder für OÖ aus Sicht der Industrie
Für die Industrie steht fest: sie braucht einerseits Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Energiepreise, um ihre energieintensive Produktion im Inland langfristig aufrechterhalten zu können. Andererseits verfügt Oberösterreich über eine Vielzahl von Betrieben mit hoher Kompetenz in Energie- und Umwelttechnologien. Für sie gilt es, auf diesem rasant wachsenden, globalen Markt vorne mit dabei sein.“ Aus Sicht der IV OÖ ergeben sich daraus folgende fünf Handlungsfelder:
1. Ausbau der Wasserkraft!
Mit einer Importabhängigkeit von 70 Prozent des Gesamtenergiebedarfs liegt Österreich weit über dem Durchschnitt der Europäischen Union von 53 Prozent. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Wasserkraft in den vergangenen zwei Jahrzehnten kaum ausgebaut wurde. „Österreich verfügt über Flüsse und Berge. Das ermöglicht sowohl den Bau von Laufkraftwerken als auch von Pumpspeicherkraftwerken. Beide Formen der Wasserkraft benötigen wir, um den steigenden Strombedarf decken und die Abhängigkeit vom Ausland reduzieren zu können“, erklärt der IV OÖ-Präsident. Dazu kommt, dass die Wasserkraft der einzige erneuerbare Energieträger ist, der in Österreich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten maßgeblich zur Stromerzeugung beiträgt und gleichzeitig in der Lage ist, die CO2-Bilanz zu verbessern. Die IV OÖ ist ein klarer Befürworter der vier in Planung befindlichen Pumpspeicherkraftwerke in Oberösterreich und fordert eine rasche Umsetzung eines möglichst hohen Anteils des im Land erhobenen Potenzials von 2.750 GWh an herkömmlicher Wasserkraft.
2. Ausbau der Erdgasspeicherung!
Erdgas ist der zentrale Energieträger für die OÖ. Industrie. Wie durch Generaldirektor Mitteregger ausgeführt, verfügt Oberösterreich über die idealen geologischen Strukturen zur Erdgasspeicherung. Ein weiterer Ausbau der Erdgasspeicherung ist im europäischen Kontext eine klare strategische Positionierung unseres Landes und erhöht die Versorgungssicherheit der hier angesiedelten Betriebe. „Zusätzlich zum höchst dringlichen Ausbau der Wasserkraft setzen wir bei der Stromerzeugung weiterhin auf verlässliche, hocheffiziente und umweltfreundliche Gaskraftwerke“, so Pöttinger.
3. Erneuerbare Energien fördern – aber richtig!
Als dritten Punkt sieht die IV OÖ die Förderung von erneuerbaren Energieträgern im europäischen Kontext. „Es macht bedeutend mehr Sinn, Photovoltaikanlagen im Süden Europas oder in Nordafrika – und Windkraftwerke an der Nord- und Ostsee großflächig auszubauen, als sie mit geringem Wirkungsgrad in Österreich zu errichten. Wichtig ist es, Forschung und Investitionen von oberösterreichischen Betrieben in diesem Sektor intensiv zu fördern – das hat wesentlich höhere Wertschöpfungs- und Arbeitsplatzeffekte zur Folge“, meint Pöttinger. „Derzeit wird über Einspeisetarife extrem ineffizient gefördert – damit werden Innovationen eher gehemmt als unterstützt – auf Kosten von Betrieben und Haushalten“, betont Pöttinger. Auch bei erneuerbarer Energie müsse laut Pöttinger die Marktwirtschaft Einzug halten: „Solar- und Windenergie sind nicht länger Kinder, die umsorgt werden müssen, sondern Erwachsene, die für sich selbst bezahlen.“
4. Energie- und Umwelttechnologien als neues Stärkefeld!
Der global boomende Markt für innovative Energie- und Umwelttechnologien bietet gewaltige Exportchancen. Ähnlich wie etwa im Bereich der Mechatronik müssen auch die Energie- und Umwelttechnologien zu einem Stärkefeld der oberösterreichischen Industrie entwickelt werden, in dem Bildung, Forschung und Produktion zusammen auf- und ausgebaut werden. „Hier kann die öffentliche Hand dazu beitragen, indem sie die Rahmenbedingungen etwa durch Forschungsförderung und Schaffung neuer Universitätsinstitute und Studiengänge so gestaltet, dass wir hier gemeinsam wachsen können“, fordert der IV OÖ-Präsident.
Der von der IV OÖ geforderte Aufbau des neuen Stärkefelds Energie- und Umwelttechnologie würde automatisch auch zur Entstehung von zusätzlichen „Green Jobs“ in Oberösterreich führen. Hier sei es laut Pöttinger wichtig, dass es auch seitens der Landespolitik zum Umdenken kommt: „Nicht die Politik schafft Jobs, sondern die Wirtschaft – in Österreich vorrangig durch Exporterfolge. Es macht wesentlich mehr Sinn, Forschung und Innovation in diesem Bereich zu fördern und damit die Rahmenbedingungen für ein stark wachsendes industrielles Kraftfeld zu schaffen, als mit viel Steuergeld aufgrund der ungünstigen klimatischen Verhältnisse in Oberösterreich ineffiziente Ökostromanlagen zu betreiben“, meint Pöttinger.
5. Energieeffizienz steigern!
70 Prozent der Primärenergie gehen bis zum Endverbraucher verloren. Im Bereich der Energieeffizienz gibt es riesiges Potenzial, das gehoben werden muss und dazu beiträgt, wesentlich wirtschaftlicher unsere Energie- und Klimaschutzziele zu erreichen. Eine konsequente Senkung des Energieverbrauchs zum Beispiel durch Innovationen bei Antriebstechnologien, höheren Wirkungsgraden bei der Stromproduktion, bei der thermischen Sanierung, im Leichtbau oder durch energiesparendere Produktionsprozesse müssen im Mittelpunkt stehen“, meint IV OÖ-Präsident Dipl.-Ing. Klaus Pöttinger abschließend.
Rückfragehinweis:
Industriellenvereinigung Oberösterreich
Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch, j.grutsch@iv-net.at
Tel. (0732) 781 976-0
