Vom Beginn der Exploration nach Öl oder Gas bis zum endgültigen Aufstellen des Bohrturms können oft Jahre vergehen. Der folgende Abschnitt beschreibt die Phasen der seismischen Explorationstätigkeit im Detail:

Datenmessung

Bei der Suche nach Kohlenwasserstoffen bedient sich die RAG der Reflexions-Seismik. Bei diesem geophysikalischen Messverfahren werden Druckwellen in den Boden entsandt, die an Schichtgrenzen im Untergrund reflektiert und an der Oberfläche von Empfängern, so genannten Geophonen, registriert werden. Der für die RAG interessante Tiefenbereich liegt zwischen 500 m und 4.000 m.

Als Energiequelle dienen Vibratorfahrzeuge, die mit einer großen "Rüttelplatte" Schwingungen im Boden erzeugen. Bei der heute üblichen Messung von 3D-Seismik werden die Geophone auf einem Rechteck von etwa 4 km² ausgelegt. Während der Messung wird dieses Rechteck über das Messgebiet (bis zu 500 km²) bewegt und ermöglicht so eine dreidimensionale Erfassung des Untergrundes. Eine Messkampagne dauert im Normalfall 4-8 Monate.

Im Vorfeld einer solchen Messung ist es notwendig, eine Genehmigung bei den zuständigen Behörden einzuholen. Die Messungen werden im Auftrag der RAG von international tätigen Fachfirmen durchgeführt. Diese setzen sich mit Gemeinden und Grundeigentümern in Verbindung, um die nötigen Informationen zu Installationen und Umwelt zu erhalten. Bei jedem betroffenen Grundeigentümer muss die Zugangserlaubnis zum Grundstück eingeholt werden. Kommt es aufgrund der Messtätigkeit zu Flurschäden, werden diese nach bestehenden Richtlinien beglichen.

Datenverarbeitung

Die gemessenen Rohdaten, die mitunter Millionen von Einzelspuren ausmachen, müssen erst sinnvoll aufbereitet werden, bevor eine geologische Interpretation zulässig ist. Dieser Prozess dauert in der Regel einige Monate.

Durch die Art der Aufnahme wird garantiert, dass jeder Untergrundspunkt mehrfach gemessen wird. Diese Informationen müssen genauest evaluiert und Störenergien (durch Wind, Strom, Verkehr) unterdrückt werden. Bevor die Messdaten untereinander verglichen werden können, müssen sie eine Vielzahl von Korrekturenverfahren durchlaufen (z.B.: statische und dynamische Korrekturen). Erst dann kann ein möglichst störungsfreies Bild für einen Untergrundspunkt erstellt werden. Das Endprodukt der Datenverarbeitung ist das so genannte 3D Migrations-Volumen. Dieses Volumen muss man sich wie einen Kubus von Querschnitten durch den Untergrund vorstellen.

Dateninterpretation

Das 3D Migrations-Volumen ist die Ausgangsbasis für die nachfolgende geologische Interpretation. Die Auswertung des dreidimensionalen Datenvolumens erfolgt in leistungsstarken Rechenzentren.

Aufgrund vorhandener Bohrungsinformationen können einzelne Reflexionen als bestimmte geologische Horizonte identifiziert werden. Der Interpret versucht, Horizonte flächenmäßig zu verfolgen und erfasst dabei auch mögliche kohlenwasserstoffhöffige Fallen struktureller (Brüche, Aufwölbungen) oder stratigraphischer Art (auskeilende Schichten). Auf eine Übersichtskartierung folgen die Detailkartierungen interessanter Bereiche. Um festzustellen, ob es sich bei den kartierten Horizonten um öl- oder gashöffige Sedimente handelt, sind oft noch weitere Datenbearbeitungschritte erforderlich.

Jedes Bohrprojekt wird von einem Expertenteam nach verschiedenen Gesichtspunkten evaluiert und auf seine Wirtschaftlichkeit hin überprüft. Erst dann kann die Planungsphase für die eigentliche Bohrung beginnen. Der ganze Prozess dauert etwa ein Jahr.